Ich habe das Gefühl, dass ich auch mal von den Schwierigkeiten hier erzählen sollte, da ich vielleicht sonst das Gefühl vermittle, dass es hier nur wunderschön ist und alles perfekt ist.
Ich habe wirklich sehr viel Spaß hier und finde Südafrika wirklich wunderschön, aber es gibt so vieles mehr hier, das problematisch ist beziehungsweise sehr komplex.
Erst einmal ist es nicht einfach, zu neunt in einer Wohnung zu wohnen, die unglaublich hellhörig ist, in der sich das Geschirr immer in der Spüle stapelt und andauernd etwas kaputt geht. Mal abgesehen davon, dass wir alle sehr unterschiedliche Individuen sind, die sich ihre Mitbewohner nicht aussuchen konnten. Ab und zu gibt es dann eben mal Stress, der ab und zu auch sehr belastend sein kann.
Wenn dann auch noch auf der Arbeit alles nicht ganz so läuft, wie man es gerne hätte, hat man irgendwie keinen Raum, in den man sich flüchten kann.
Ich habe hier, glaube ich, schon viel dazu gelernt, und bin nicht mehr so geschockt, wenn irgendetwas schief geht. Zuhause in Deutschland hatte ich tatsächlich ein Leben, das nahezu perfekt war, wie ich mittlerweile realisiert habe...Deshalb sehe ich es für mich jetzt als gut an, mit Problemen konfrontiert zu werden - ich lerne viel über mich selbst und wie ich damit umgehe.
Manchmal ist es aber auch nicht leicht, generell in Südafrika zu leben - als weiße, als deutsche... Auch wenn ich mich mittlerweile zuhause fühle, sehen mich die meisten, denen ich so begegne, als Touristin. Außerdem ist es schwierig, damit umzugehen, dass man mehr Geld als die meisten hier hat, und inwiefern man z.B. Bettlern etwas gibt und auf welcher Basis man entscheidet, ob, wem, wann und wie viel zu geben.
Armut begegnet einem überall. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist oft extrem spürbar.
Es ist auch belastend, andauernd auf der Hut sein zu müssen, dass einem nichts geklaut wird. Ich kann bei Dämmerung nicht alleine aus dem Haus, immer muss ein Taxi genommen werden, immer muss man sich in Gruppen organisieren, Taschen müssen zu sein, Wertsachen sollte man nicht die ganze Zeit in der Hand haben, man muss schauen, in welche Gegenden man geht.
Einerseits habe ich mich daran gewöhnt, und es geht mir gut, aber es ist anstrengend und man fühlt sich einfach nicht so frei wie in Deutschland, wo man meist abends alleine herum laufen kann.
So, jetzt habe ich einmal das Negative reflektiert... alles ist natürlich meine sehr persönliche Sichtweise.
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