Freitag, 15. August 2014

Johannesburg und Soweto die zweite

Leonie und ich hatten Lust, noch einmal nach Johannesburg zu fahren!
Ein kurzer Gedanke, gedacht, getan, Flug gebucht, Koffer gepackt, losgefahren. Ich nahm mir drei Tage frei, so dass wir schon Dienstag Abend fliegen konnten und Sonntag Abend wieder kamen.
Es wurde sehr spaßig :)
Schon am Flughafen hatten wir Spaß, als wir uns über die unglaublich touristischen Souvenirs lustig machten, Feen spielten und uns eine "Brezel" gönnten, die leider alles andere als brezelartig war (in solchen Momenten freut man sich dann doch auf Deutschland).
Alles lief super, und wir fühlten uns ziemlich cool und frei und abenteuerlich, als wir zwei in unserem frisch gemieteten, nagelneuen VW Polo auf den Straßen von Johannesburg unterwegs waren.
So um Mitternacht kamen wir in Melville bei Steffi und Christoph an, wo wir die nächsten 5 Nächte schliefen.
An unserem ersten Morgen - sonnig muss man gar nicht hinzufügen, denn in JB ist es immer sonnig - gingen Leonie und ich auf der "7th" frühstücken, wo sich das Leben Melvilles abspielt.
Wir fanden ein tolles Café, das organisches, veganes, gesundes Essen machte und wo wir noch dazu einen Ausblick hatten.
Tagsüber fuhren wir in Outlets und Malls und hatten einen laangen Shoppingtag, der auch sehr erfolgreich war - wo ich allerdings meine ganzen Klamotten hinstopfe, wenn ich nach Hause fliege, weiß ich auch noch nicht.
Am Abend gingen wir Sushi essen und dann nochmal in das organische Cafe - zum Poetry Slam! Viele gute Künstler, Rapper, Dichter und Slammer fanden sich hier zusammen, und es war richtig interessant.
Der Donnerstag wurde dann nicht so locker-flockig wie der Mittwoch - Leonie und ich gingen ins Apartheid-Museum, wo wir fast den ganzen Tag verbrachten, da es absolut riesig ist und es so viele Informationen zu verdauen gibt.
Schon beim Eingang wurde den Besuchern suggeriert, wie die Menschen zur Zeit der Apartheid getrennt wurden - willkürlich wurde man auf seinem Ticket als weiß oder schwarz gekennzeichnet und musste verschiedene Eingänge nehmen.
Die Schilder kamen einem im allerersten Moment unwirklich, beinahe lächerlich vor...doch dann realisiert man den krassen, bitteren Ernst dahinter.
Das Museum hat alles anschaulich und eindrucksvoll präsentiert und ich habe es insofern genossen, als dass es sehr interessant war. Für den Kopf  ist es allerdings recht anstrengend, da man sehr viel lesen muss. Vor allem bedrückende, komplizierte, schwerwiegende, sehr wichtige Materie. Die ganze Geschichte Südafrikas wurde aufgerollt - es begann bei den Bushmen und der Kolonialisierung, dann wurden die unzähligen Kriege und Konflikte zwischen Ureinwohnern und Kolonialisten, Schwarzen und Weißen, Briten und Buren erklärt, die zu Hass, Vorurteilen und viel Unterdrückung führten - eine Basis, auf der das System der Apartheid Wurzeln schlug. Dann wurde natürlich die Zeit während der Apartheid beschrieben, das Leben der Menschen, die Aufstände; schließlich das Ende, die Befreiung Mandelas, und die (bisher sehr kurze) Zeit danach.
Hier wurden Menschen in Lebensgröße gezeigt, die die Vielfalt des heutigen Südafrikas repräsentierten und deren Familiengeschichten wir uns aalle durchlasen.
Auf dem Weg zurück:
Big City Life
Abends lernten wir unsere Nachbarn aus London kennen und Freunde von Steffi und Christoph und gingen zusammen in eine Bar auf der 7th.
Tanzen macht Spaß, auch wenn ich nur mit einem Bein tanzen kann...
(Mein Knie war mal wieder sehr geschwollen)
Naächster Tag - Soweto! Steffi, Leonie und ich fuhren zuerst zu Ben und Bennet auf die Arbeit. Die beiden sind Freiwillige bei Copessa, einer Organisation für "Community Development", die an der Veränderung der Umgebung der Menschen arbeitet, um Gewalt und Missbrauch vorzubeugen. Es werden zum Beispiel Spielplätze gebaut, Gemüsegärten angelegt, und auch persönliche Beratungsgespräche angeboten. Abends machten wir uns Salat, den wir uns selbst aus dem Copessa Garten aus dem Boden gezogen haben:)
Anschliessend gingen wir in einen Club, wo Ben ab und zu als DJ auflegt:
Wir fuhren aber wieder zurück nach Johannesburg und gingen alle zusammen, inklusive unseren neuen Freunden, in Greenside feiern.
Ich muss ja sagen, am Wochenende waren wir dann komplett in Feierstimmung. Nachdem wir am Samstag Morgen in Braamfontein auf dem Neighbourgood Market waren, gingen wir abends dort feiern.
Braamfontein ist das Hipster-Viertel in Johannesburg, in dem man super Vintage Klamotten shoppen gehen kann. Ich glaube, ich habe schon beim letzten Mal davon geschrieben. Der Neighbourgood Market dort ist ein bisschen anders als in Kapstadt, etwas kleiner und sogar noch gedrängter, aber dort gibts auch unglaublich leckeres, frisches Essen. Was man ja auch braucht, wenn man sich die ganze Zeit im Joburger Nachtleben rumtreibt.
Also, wie schon gesagt, wir hatten super viel Spaß in den paar Tagen, und es ging natürlich wieder viel zu schnell rum. Ich habe aber jetzt das Gefühl, das Leben auf der anderen Seite Südafrikas auch ganz gut kennengelernt zu haben :)

Mittwoch, 13. August 2014

Dance for All in ACTION

Da mein neuester Job darin besteht, das Leben bei Dance for All quasi live zu dokumentieren und regelmäßig die offizielle Website damit zu füllen, bin ich nun als rasende Reporterin im Training unterwegs und dokumentiere sämtliche Klassen. Das Ergebnis: Schöne Bilder, die toll für Außenstehende und auch für die Kinder sind, und noch ne Menge Spaß für mich dazu :)
Ich werde also in Zukunft auch bei www.danceforall.co.za ein paar Texte, hauptsächlich Anekdoten, verfassen und die Website mit lebendigen Eindrücken schmücken.

1. Die Bridging Programme Students! (Müssten euch ja nun bekannt sein ;)
Wegen meinem geschädigten Knie kann ich das Training ja nun leider nicht mehr mitmachen, aber die neuesten Entwicklungen in deren eigenen Choreographien mitverfolgen:
2. Im Schools Programme! Hier werden, als Teil des Cape Town Outreach Programms, Tanzklassen an Schulen angeboten. Heute war ich als Kolumna bei Ncebas Kids dabei, die ich auch schon unterrichtet habe.
Mit Leidenschaft dabei!

Fragestunde: Warum magst du Tanzen? Wieso tanzt du?
Mmh, ganz schön schwierig...
Aber da fallen den ersten tolle Antworten ein!
"Weil ich lernen will, meine Zehen zu strecken"
"Weil es cool ist"
"Weil ich Ballerina werden will"
"Weil ich gelenkig sein will"
"Weil ich ein Star werden will"
"Weil man damit Geld verdienen kann"
"Weil ich auf der Bühne sein will"

Dienstag, 29. Juli 2014

Neues von Tina in Kapstadt

Weiter gehts in meinem sagenhaften fabelhaften märchenhaften Leben im südafrikanischen Winter, in der 6 Milner Road, bei Dance for All.
Im letzten Monat ist eine Menge passiert, viele Dinge, die es verdienen, festgehalten zu werden.

Mit meiner Zimmerkumpanin Leonie im Kapstädter Nachtleben - Crew Bar

Leonie ist eine der einzigen Mitbewohner, die immer noch da ist. Es hat sich wirklich viel zuhause verändert. Im Moment sind wir 11 Leute im Haus! Die deutschen Mädels sind alle weg, und 5 neue Südafrikaner sind eingezogen. Momentan sind es also 4 Deutsche und 7 Südafrikaner wobei 3 Zimmer doppelt belegt sind. Bei so vielen Wechseln lernt man sich leider gar nicht richtig kennen. Ich wohne mit Leuten zusammen, von denen ich teilweise noch nicht einmal den Namen weiß. Das wollen wir ändern und planen jetzt einen gemeinsamen WG-Abend zum Kennenlernen :)
Ansonsten ist zuhause mal wieder viel kaputt, unter anderem die Strombox, der Kühlschrank (wie immer), die Klobrille, die Eingangstür, und natürlich immer noch die Herdplatten. Unser Vermieter ist "out of town" und kann sich da leider gerade nicht drum kümmern. Mmh ja...

So, dann war letztens ja das aufregende WM Finale!
Ich war zum Public Viewing im Trenchtown in Obs und habe es inmitten von Deutschen, einer Superstimmung, und auch Argentinienfans geschaut.
Es war brechend voll, aber die deutschen Freiwilligen hatten sich den großen Tisch direkt vor der Leinwand reserviert, so dass wir einen priiima Blick hatten.
Was für ein Nervenkitzel. Und was für eine Party, als Deutschland offiziell Weltmeister geworden ist!!

Ein paar Tage später ging es dann zum nächsten Großevent - einer sehr anderen Art. Ich bin endlich einmal mit meinem Mitbewohner Lutho zur Kirche gegangen. Jetzt fragt ihr euch bestimmt, ob ich die falschen Fotos hier drunter gepostet habe.
Nö.
Das ist Hillsong Church!
Das war mit Abstand die coolste Messe, in der ich je war. Ich konnte es kaum glauben, wo ich gelandet war. Es sah aus wie ein riesiger Konzertsaal, und auch die Stimmung war so, als würde auf der Bühne eine Berühmtheit stehen. Verteilt auf drei Etagen, die alle brechend voll waren, standen und saßen dicht gedrängt hunderte junge Leute, die teilweise mit geschlossenen Augen, erhobenen Armen oder mit ihrem ganzen Körper tanzend der "Messe" folgten.
Die lief so ab, dass verschiedene Leute auf die Bühne kamen und sich mit einer Bibelstelle beschäftigten, dann wurde viel gesungen und getanzt, und dann kamen 2 Priester aus Schweden und USA auf die Bühne zur Predigt. Sie stützten sich auch auf Bibelstellen, benutzten aber moderne Metaphern und vor allem, moderne Sprache. Sie waren ja selbst noch super jung, genau wie das Publikum, das absolut begeistert war. Keinen hielt es mehr auf den Sitzen. Während der Priester bestimmte Dinge beinahe herausschrie, rief das Publikum noch lauter zurück. Es waren wunderschöne Messages, positive Lebensratgeber, und spirituelle Anregungen, die die Jugendlichen und junge Erwachsene derart berührten, was mich wiederum sehr berührte - das war etwas Neues für mich, Leute in dem Alter so begeistert von Jesus und Gott sprechen zu hören und Religion als cool zu betrachten. Hier glaubte auch niemand im Stillen vor sich hin. In der Hillsong Church wird dem Glauben Ausdruck verliehen, und zwar in einer Riesengemeinschaft, und vor allem, nicht still. Da bekommt der Ausdruck 'die Messe feiern' eine ganz andere Bedeutung.
Wahnsinn, dass es so etwas gibt. Ich nahm mir vor, in meinen letzten Wochen nochmal hinzugehen.

Bei Dance for All war es in letzter Zeit eher still, da Schulferien waren und die Schüler und Lehrer frei hatten. In einer Woche aber fand ein Workshop für Kinder aus Réunion Island statt (Réunion Island liegt neben Madagascar). Jeden Tag hatten sie Unterricht in Ballett, Jazz, Contemporary, African und Spanish Dance,so dass immer was los war. Ich habe ab und zu zugeschaut und dachte mir, dass ich so eine Workshop Woche echt gerne mal selbst haben würde ;)
Im Moment vermisse ich Tanzen ja unglaublich. Mein Knie hat sich nicht gebessert, im Gegenteil - es ist immer mehr angeschwollen, bis ich ins Krankenhaus gefahren bin. Sie haben die Flüssigkeit aus dem Knie entfernt und mir eine Kortison Spritze gegeben, ein MRT vom Knie gemacht und mein Blut getestet. Leider konnte der Grund für die Entzündung nicht herausgefunden werden.
Das Kortison sollte 3 Monate lang wirken...es hat aber leider nur 5 Tage gehalten, bis mein Knie wieder angeschwollen ist. Diesmal so schlimm, dass ich richtig Schmerzen hatte und kaum laufen konnte. Mittlerweile ist es wieder besser geworden, und ich habe entzündungshemmende Medikamente verschrieben bekommen. Ich hoffe sehr, dass bald alles wieder gut ist.
Jedes Mal, wenn Ballett bei Dance for All ist, werde ich super traurig, dass ich nicht mitmachen kann. Außerdem fühle ich mich total unfit...Aber für mich als Kölnerin gilt ja hoffentlich das Grundgesetz 'Et is noch immer jot jejange'.
Ansonsten ist es nach wie vor schön auf der Arbeit. Ich fühle mich dort sehr wohl und zuhause und verstehe mich mit allen gut (was nicht heißt, dass ich alle mag). Mit Bridgette zusammen zu arbeiten ist sowieso immer cool :) Im Moment haben wir viel zu tun. Bewerbungen an verschiedene Regierungsfonds und Stiftungen müssen rausgehen, und ich muss alles in meinem letzten Monat fertig machen.
Es sind schließlich nur noch vier Wochen auf der Arbeit...Und das nicht nur für mich, sondern auch für Bridgette. Sie wird Dance for All Ende August ebenfalls verlassen, und dann als selbstständige Fundraiserin für verschiedene Organisationen arbeiten. Es gab leider eine Meeenge Drama bei Dance for All, was ihre Kündigung betrifft, die nicht nur ihre eigene Entscheidung war. Man merkt schon, dass die schwierige finanzielle Situation bei DFA ziemlich an den Nerven aller zehrt.

Ein weiterer Abschied fand erst gestern statt. Lucas hat das Land verlassen. Bridgette, Michaela, Naomi, Leonie und ich haben ihn am Flughafen verabschiedet. Es war schon traurig, aber schwer zu realisieren, dass er tatsächlich zurück nach Deutschland fliegt...
Das erinnert einen natürlich auch daran, wie komisch es ist, dass sich alles einem Ende nähert und auch ich in ein paar Wochen im Flugzeug nach Deutschland sitzen werde.
Bei Dance for All hatten wir für Lucas eine kleine, schöne Abschiedsparty mit Kuchen, Wein und emotionalen Reden, und am Sonntag haben wir Lucas im kleinen Kreis bei einem tollen Brunch im Winchester Mansions Hotel verabschiedet.

Blueprint Premiere!
Gestern war ein ganz schön ereignisreicher Tag. Kaum von Lucas Verabschiedung am Flughafen zurück, gings los zur Premiere von "Blueprint" - ein Contemporary Dance Stück, choreographiert von Louise (Lehrerin bei DFA) und aufgeführt von ihrer Company "Darkroom Contemporary", in der auch Anderson ist.
Fast alle Dance for All Leute waren da.
Die Tänzer der Darkroom Contemporary Dance Company
Das Ganze war Teil der World Design Capital Projekte. Kapstadt ist ja Design-Welt-Hauptstadt dieses Jahr. In der Stadt sieht man als Zeichen dafür überall gelbe Plakate oder Bäume, die in gelb eingepackt sind. Die Performance fand im wunderschönen, alten Rathaus Kapstadts statt. Es wurde weltberühmt, als Nelson Mandela dort vom Balkon aus seine erste Rede nach seiner Freilassung hielt.
Ein Mix aus italienischer Renaissance und britischem Kolonialstil
In diesem historischen Gebäude fand dann also eine sehr moderne Contemporary Dance Aufführung statt - perfekter Kontrast:
Die Show fand nicht konventionell auf einer Bühne statt, vor der die Zuschauer sitzen, sondern inmitten den Zuschauern, auf Augenhöhe. Außerdem wurde jeweils ein Stück in einem Raum performt, dann ging es zum nächsten Raum mit einer ganz unterschiedlichen Bühnenaufmachung und unterschiedlichen 'Special Effects'. Insgesamt gab es 4 Choreographien in 4 Räumen.
Das letzte war definitiv Highlight der Show - alle 6 Tänzer tanzten nun zusammen, die Musik wurde immer lauter und eindringlicher, und plötzlich waren da diese extrem coolen Laser...die Laser bildeten einen Kasten um die Tänzer herum, aus dem sie auszubrechen versuchten. Es war wahnsinnig interessant und spannend.
Nach der Show war noch eine Art Afterparty mit Wein, und ich habe mit allen möglichen Leuten gequatscht, die man langsam so kennt, nachdem man ein Jahr bei DFA gearbeitet hat und auf allen möglichen Aufführungen war. Kapstadts Tanzszene ist auch nicht besonders groß, irgendwie kennt jeder jeden... Ich kannte auch die Tänzer, weil sie in den DFA Studios geprobt hatten.