Weiter gehts in meinem sagenhaften fabelhaften märchenhaften Leben im südafrikanischen Winter, in der 6 Milner Road, bei Dance for All.
Im letzten Monat ist eine Menge passiert, viele Dinge, die es verdienen, festgehalten zu werden.
Mit meiner Zimmerkumpanin Leonie im Kapstädter Nachtleben - Crew Bar
Leonie ist eine der einzigen Mitbewohner, die immer noch da ist. Es hat sich wirklich viel zuhause verändert. Im Moment sind wir 11 Leute im Haus! Die deutschen Mädels sind alle weg, und 5 neue Südafrikaner sind eingezogen. Momentan sind es also 4 Deutsche und 7 Südafrikaner wobei 3 Zimmer doppelt belegt sind. Bei so vielen Wechseln lernt man sich leider gar nicht richtig kennen. Ich wohne mit Leuten zusammen, von denen ich teilweise noch nicht einmal den Namen weiß. Das wollen wir ändern und planen jetzt einen gemeinsamen WG-Abend zum Kennenlernen :)
Ansonsten ist zuhause mal wieder viel kaputt, unter anderem die Strombox, der Kühlschrank (wie immer), die Klobrille, die Eingangstür, und natürlich immer noch die Herdplatten. Unser Vermieter ist "out of town" und kann sich da leider gerade nicht drum kümmern. Mmh ja...
Ich war zum Public Viewing im Trenchtown in Obs und habe es inmitten von Deutschen, einer Superstimmung, und auch Argentinienfans geschaut.
Es war brechend voll, aber die deutschen Freiwilligen hatten sich den großen Tisch direkt vor der Leinwand reserviert, so dass wir einen priiima Blick hatten.
Was für ein Nervenkitzel. Und was für eine Party, als Deutschland offiziell Weltmeister geworden ist!!
Ein paar Tage später ging es dann zum nächsten Großevent - einer sehr anderen Art. Ich bin endlich einmal mit meinem Mitbewohner Lutho zur Kirche gegangen. Jetzt fragt ihr euch bestimmt, ob ich die falschen Fotos hier drunter gepostet habe.
Nö.
Das ist Hillsong Church!
Die lief so ab, dass verschiedene Leute auf die Bühne kamen und sich mit einer Bibelstelle beschäftigten, dann wurde viel gesungen und getanzt, und dann kamen 2 Priester aus Schweden und USA auf die Bühne zur Predigt. Sie stützten sich auch auf Bibelstellen, benutzten aber moderne Metaphern und vor allem, moderne Sprache. Sie waren ja selbst noch super jung, genau wie das Publikum, das absolut begeistert war. Keinen hielt es mehr auf den Sitzen. Während der Priester bestimmte Dinge beinahe herausschrie, rief das Publikum noch lauter zurück. Es waren wunderschöne Messages, positive Lebensratgeber, und spirituelle Anregungen, die die Jugendlichen und junge Erwachsene derart berührten, was mich wiederum sehr berührte - das war etwas Neues für mich, Leute in dem Alter so begeistert von Jesus und Gott sprechen zu hören und Religion als cool zu betrachten. Hier glaubte auch niemand im Stillen vor sich hin. In der Hillsong Church wird dem Glauben Ausdruck verliehen, und zwar in einer Riesengemeinschaft, und vor allem, nicht still. Da bekommt der Ausdruck 'die Messe feiern' eine ganz andere Bedeutung.
Wahnsinn, dass es so etwas gibt. Ich nahm mir vor, in meinen letzten Wochen nochmal hinzugehen.
Bei Dance for All war es in letzter Zeit eher still, da Schulferien waren und die Schüler und Lehrer frei hatten. In einer Woche aber fand ein Workshop für Kinder aus Réunion Island statt (Réunion Island liegt neben Madagascar). Jeden Tag hatten sie Unterricht in Ballett, Jazz, Contemporary, African und Spanish Dance,so dass immer was los war. Ich habe ab und zu zugeschaut und dachte mir, dass ich so eine Workshop Woche echt gerne mal selbst haben würde ;)
Im Moment vermisse ich Tanzen ja unglaublich. Mein Knie hat sich nicht gebessert, im Gegenteil - es ist immer mehr angeschwollen, bis ich ins Krankenhaus gefahren bin. Sie haben die Flüssigkeit aus dem Knie entfernt und mir eine Kortison Spritze gegeben, ein MRT vom Knie gemacht und mein Blut getestet. Leider konnte der Grund für die Entzündung nicht herausgefunden werden.
Das Kortison sollte 3 Monate lang wirken...es hat aber leider nur 5 Tage gehalten, bis mein Knie wieder angeschwollen ist. Diesmal so schlimm, dass ich richtig Schmerzen hatte und kaum laufen konnte. Mittlerweile ist es wieder besser geworden, und ich habe entzündungshemmende Medikamente verschrieben bekommen. Ich hoffe sehr, dass bald alles wieder gut ist.
Jedes Mal, wenn Ballett bei Dance for All ist, werde ich super traurig, dass ich nicht mitmachen kann. Außerdem fühle ich mich total unfit...Aber für mich als Kölnerin gilt ja hoffentlich das Grundgesetz 'Et is noch immer jot jejange'.
Ansonsten ist es nach wie vor schön auf der Arbeit. Ich fühle mich dort sehr wohl und zuhause und verstehe mich mit allen gut (was nicht heißt, dass ich alle mag). Mit Bridgette zusammen zu arbeiten ist sowieso immer cool :) Im Moment haben wir viel zu tun. Bewerbungen an verschiedene Regierungsfonds und Stiftungen müssen rausgehen, und ich muss alles in meinem letzten Monat fertig machen.
Es sind schließlich nur noch vier Wochen auf der Arbeit...Und das nicht nur für mich, sondern auch für Bridgette. Sie wird Dance for All Ende August ebenfalls verlassen, und dann als selbstständige Fundraiserin für verschiedene Organisationen arbeiten. Es gab leider eine Meeenge Drama bei Dance for All, was ihre Kündigung betrifft, die nicht nur ihre eigene Entscheidung war. Man merkt schon, dass die schwierige finanzielle Situation bei DFA ziemlich an den Nerven aller zehrt.
Ein weiterer Abschied fand erst gestern statt. Lucas hat das Land verlassen. Bridgette, Michaela, Naomi, Leonie und ich haben ihn am Flughafen verabschiedet. Es war schon traurig, aber schwer zu realisieren, dass er tatsächlich zurück nach Deutschland fliegt...
Das erinnert einen natürlich auch daran, wie komisch es ist, dass sich alles einem Ende nähert und auch ich in ein paar Wochen im Flugzeug nach Deutschland sitzen werde.
Bei Dance for All hatten wir für Lucas eine kleine, schöne Abschiedsparty mit Kuchen, Wein und emotionalen Reden, und am Sonntag haben wir Lucas im kleinen Kreis bei einem tollen Brunch im Winchester Mansions Hotel verabschiedet.
Blueprint Premiere!
Gestern war ein ganz schön ereignisreicher Tag. Kaum von Lucas Verabschiedung am Flughafen zurück, gings los zur Premiere von "Blueprint" - ein Contemporary Dance Stück, choreographiert von Louise (Lehrerin bei DFA) und aufgeführt von ihrer Company "Darkroom Contemporary", in der auch Anderson ist.
Fast alle Dance for All Leute waren da.
Die Tänzer der Darkroom Contemporary Dance Company
Das Ganze war Teil der World Design Capital Projekte. Kapstadt ist ja Design-Welt-Hauptstadt dieses Jahr. In der Stadt sieht man als Zeichen dafür überall gelbe Plakate oder Bäume, die in gelb eingepackt sind. Die Performance fand im wunderschönen, alten Rathaus Kapstadts statt. Es wurde weltberühmt, als Nelson Mandela dort vom Balkon aus seine erste Rede nach seiner Freilassung hielt.
Ein Mix aus italienischer Renaissance und britischem Kolonialstil
In diesem historischen Gebäude fand dann also eine sehr moderne Contemporary Dance Aufführung statt - perfekter Kontrast:
Die Show fand nicht konventionell auf einer Bühne statt, vor der die Zuschauer sitzen, sondern inmitten den Zuschauern, auf Augenhöhe. Außerdem wurde jeweils ein Stück in einem Raum performt, dann ging es zum nächsten Raum mit einer ganz unterschiedlichen Bühnenaufmachung und unterschiedlichen 'Special Effects'. Insgesamt gab es 4 Choreographien in 4 Räumen.
Das letzte war definitiv Highlight der Show - alle 6 Tänzer tanzten nun zusammen, die Musik wurde immer lauter und eindringlicher, und plötzlich waren da diese extrem coolen Laser...die Laser bildeten einen Kasten um die Tänzer herum, aus dem sie auszubrechen versuchten. Es war wahnsinnig interessant und spannend.
Nach der Show war noch eine Art Afterparty mit Wein, und ich habe mit allen möglichen Leuten gequatscht, die man langsam so kennt, nachdem man ein Jahr bei DFA gearbeitet hat und auf allen möglichen Aufführungen war. Kapstadts Tanzszene ist auch nicht besonders groß, irgendwie kennt jeder jeden... Ich kannte auch die Tänzer, weil sie in den DFA Studios geprobt hatten.

























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