Bisher habe ich noch gar nichts von den kleinen Dingen, den alltäglichen Herausforderungen und dem südafrikanischen Lebensstil hier erzählt.
Mein Tag hier beginnt damit, um kurz vor 8 aufzuwachen. Dann suche ich erstmal die Ohropax, die mir in der Nacht immer abhanden kommen, aber notwendig sind, da wir an einer Zugstation wohnen und die Züge auch nachts an unserem Fenster vorbei rauschen. Unser Fenster ist leider nicht ganz dicht, was bedeutet, dass auch der Wind herein zieht.
Dann dusche ich, wobei die Dusche ein wenig ausläuft und man nachher das Wasser auffangen muss.
Das Frühstück aber ist deutscher Standard. Auf meine Cornflakes mit Obst und Vollkornbrot mit Marmelade will ich nicht verzichten, auch wenn es hier super leckere Instant Oat Meals gibt (Haferbrei).
Bevor ich das Haus verlasse, ziehe ich mir mindestens drei Schichten Kleidung an, da das Wetter nach wie vor so ist wie im Winter (16 Grad, Regen, Wind). Dann laufe ich ca. 10 Minuten durch unsere schöne Nachbarschaft und nehme das nächste Minitaxi an der Hauptstraße.
Ich komme nie zur gleichen Zeit bei Dance for All an, manchmal brauche ich 5 Minuten, manchmal 20.
Generell ist es hier so, dass Pünktlichkeit nicht den gleichen Stellenwert hat wie in Deutschland. Pünktlich sein ist sehr deutsch, in Südafrika sind Zeitangaben nur Vorschläge. Genauso wie Ampeln den Straßenverkehr eher dekorieren als regeln.
Typisch südafrikanisch ist es einfach, dass kaum etwas richtig funktioniert, geregelt und eindeutig ist, aber trotzdem alles irgendwie läuft.
Abends kochen Leonie und ich meistens zusammen. Was wir bisher auf den 2 funktionierenden Herdplatten gezaubert haben, kann sich wirklich sehen lassen! Ob Rotis, Gemüsepfannen, Salate oder Spaghetti mit Chakalaka, alles schmeckt super. Das kann vielleicht an dem Curry-Knoblauch-Pulver liegen, das wir überall rein tun.
In Südafrika sind im Gegensatz zu Deutschland noch sehr viele Geschmacksverstärker und Zusatzstoffe in Lebensmitteln erlaubt. Die zu vermeiden ist ziemlich schwierig, aber wir versuchen es, indem wir viel Frisches einkaufen und wöchentlich eine Gemüsekiste von Abalimi (einem anderen Projekt von Sage Net) bekommen.
Nach dem Kochen ist auch das Waschen nicht ganz einfach. Die Waschmaschinen sehen ganz anders aus als in Deutschland; man füllt die Kleidung von oben hinein und das Ganze wird sauber 'gerüttelt'. Wenn es denn sauber wird... Einen Trockner gibt es nicht und leider auch keine warme Luft, weshalb die Wäsche 2-3 Tage braucht, bis sie wirklich trocken ist.
Was mich aber eher stört, ist, dass wir keinen Fön haben. Ich war, glaube ich, auch deshalb die ganze Zeit erkältet.
Jetzt bin ich aber abgehärtet und mir geht es super!
Man gewöhnt sich an alles :)
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